Ein Pionier der Berufsbildung feiert Jubiläum – 50 Jahre Kurszentrum für Augenoptik in Starrkirch/Olten
In Starrkirch bei Olten feierte am 11. Mai 2026 das Kurszentrum für Augenoptik KFA sein 50jähriges Bestehen. Bei ihrer Eröffnung 1976 war diese Institution ein Novum in der Schweiz: Das KFA bietet als dritter Lernort neben Berufsfachschule und Lehrbetrieb überbetriebliche Kurse zur Verzahnung von Theorie und Praxis. Heute ist dieses Modell Standard in allen regulierten Berufsbildungen.
Im ersten Jahr waren beim KFA insgesamt 58 Lernende aus allen Landesteilen eingeschrieben, drei Jahre später waren es bereits über dreihundert. 2026 besuchen rund 680 Lernende aus der Deutschschweiz die Kurse im KFA, weitere 211 das Centre de cours pour l’optique in Yverdon-les-Bains sowie 20 das 2025 eröffnete italienischsprachige Kurszentrum in Trevano. Während ihrer dreijährigen Lehrzeit sind die angehenden Augenoptikerinnen und Augenoptiker insgesamt siebenmal in den Kurszentren, um ein- bis viertägige Blockkurse zu besuchen.
Branche und Bildung im Wandel
In den vergangenen fünfzig Jahren haben sich Technik, Beruf und Branche ebenso weiterentwickelt wie die Schule und ihre Trägerschaft. Betrieben werden diese ÜK-Zentren vom Verein Berufliche Grundbildung Augenoptik VBAO. Diese Organisation der Arbeitswelt wird von den beiden führenden Branchenverbänden Augenoptikverband Schweiz AOVS und OPTIKSCHWEIZ paritätisch getragen. Bei der Ausbildung des beruflichen Nachwuchses ziehen grosse Kettenfirmen und unabhängige Einzelbetriebe seit 2017 am selben Strick. Die Zusammenarbeit der so unterschiedlichen Partner funktioniere laut VBAO-Geschäftsführer Christian Loser in der Praxis reibungslos: «Internationale Grossketten wie kleine Einzelbetriebe haben an die Kernkompetenzen ihrer Berufsleute die gleichen Anforderungen. Im Zentrum stehen die Bedürfnisse der Kundschaft und wie man diese mithilfe der uns zur Verfügung stehenden Technologie optimal erfüllt. Von der gemeinsam ausgerichteten Grundbildung profitieren sowohl die gesamte Branche als auch die Lernenden.»
Attraktiver und anspruchsvoller Beruf
Der Beruf Augenoptiker∙in ist beliebt. Seit Einführung der neuen 3jährigen Berufslehre 2022 steigt die Zahl der jährlichen Neuanfänger·innen kontinuierlich an. 2025 starteten insgesamt 373 neue Augenoptiker·innen ihre berufliche Grundbildung.
«Die einzigartige Kombination aus Mode, Technik und Gesundheit macht unseren Beruf besonders und attraktiv», begründete dies VBAO-Präsident Roger Willhalm in seiner Jubiläumsansprache. Der Mitgründer und ehemalige Geschäftsleiter der Visilab-Gruppe engagiert sich heute vornehmlich für die berufliche Bildung. 1976 hatte er zu den allerersten Lernenden gehört, welche die Kurse im neuen Kurszentrum besucht hatten. Damals sei es in engen dämmerigen Räumen noch einzig um die Glasbearbeitung gegangen, so Roger Willhalm. Heute präsentierten sich das Schulgebäude wie auch die Lerninhalte in einem ganz anderen Licht.
«Unsere Ausbildung ist dicht und anspruchsvoll. Für unsere Lernenden, aber auch für deren Berufsbildnerinnen und -bildner», weiss Marcel Marchion, Berufsfachschullehrer und Inhaber eines Fachgeschäfts in Schiers. Als Leiter der VBAO-Berufsbildungskommission ist er für die Ausrichtung und Koordination der Lerninhalte verantwortlich. «Wir müssen nicht nur viel Fachwissen vermitteln, sondern dieses auch zu konkreten Handlungskompetenzen formen.»
In diesem Kontext spielen die «überbetrieblichen Kurse» am KFA in Starrkirch eine wichtige Rolle. Hier werden Inhalte aus der Berufsfachschule ins praktische Handlungsumfeld übertragen. Auf die Frage, inwiefern eine fordernde Ausbildung mit den bekannten Ansprüchen der Generation Alpha zusammenpasse, winkt KFA-Leiter Nick Burkhardt ab. «Von solchen Klischees halte ich nichts. Wir erleben unsere Lernenden als engagiert und interessiert – und schliesslich liegt es auch an uns, sie mit praktischen Bezügen und lebendigen Unterrichtsmethoden zu motivieren.»






























